Arbeitstagung "Kooperation Bundeswehr-Handwerk im Wehrbereich II" mit hochrangigen Vertretern von Handwerkskammern und Bundeswehr
 HGF Wilbert begrüßt die Teilnehmer an der Arbeitstagung, darunter auf dem Podium (v.l.) WBV-Abteilungspräsident Lüttike, die Generale Wolf, Korte, Millotat, Otto und Gubernatis sowie WBV-Abteilungspräsident Jordan.
Koblenz. Die "Unternehmen" Handwerk und Bundeswehr verbindet mehr als nur die Tradition einer guten Zusammenarbeit an einzelnen Standorten. Immer stärker rückt ins Bewusstsein, dass beide Seiten zur Bewältigung ihrer Zukunftsaufgaben auf eine wechselseitige Zusammenarbeit ohne Berührungsängste vor allem in der Gewinnung und Sicherung von qualifiziertem Personal angewiesen sind.
Das jedenfalls machte die Zusammensetzung der 1. Arbeitstagung "Kooperation Bundeswehr-Handwerk im Wehrbereich II" im HwK-Metall- und Technologiezentrum deutlich. Aus 13 Handwerkskammern in den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Saarland, Hessen und Nordrhein-Westfalen nahmen Hauptgeschäftsführer und ihre Fachreferenten daran teil. Sie suchten das Gespräch mit Befehlshabern und Kommandeuren im Generalsrang der in den vier Bundesländern ansässigen Truppenteile der Bundeswehr sowie aus dem Präsidium der Wehrverwaltung.
 General Millotat sieht sein Wehrbereichskommando in der Moderatorenrolle für eine engere zivil-militärische Zusammenarbeit.
Begrüßt wurden die Tagungsteilnehmer von Hauptgeschäftsführer Karl-Jürgen Wilbert als Gastgeber, dem Befehlshaber im Wehrbereich II, Generalmajor Christian E.O. Millotat als dem für zivil-militärische Angelegenheiten in den vier Bundesländern Verantwortlichen, Generalmajor Wolfgang Otto aus der Abteilung Personal-, Sozial- und Zentralangelegenheiten im Bundesministerium der Verteidigung sowie vom Stellvertretenden Befehlshaber Heeresführungskommando und Standortältesten Koblenz/Lahnstein, Generalmajor Wolfgang Korte. Wilbert umschrieb in der Moderation der Arbeitstagung deren Zielsetzung: "Wir möchten jungen Menschen eine Perspektive für ihr berufliches und privates Leben eröffnen. Alle Beteiligten sollen davon profitieren: Die Wirtschaft, die Streitkräfte und natürlich die jungen Leute."
Fachkräftebedarf in Unternehmen der Wirtschaft und in den Streitkräften
 General Gubernatis erläuterte auf dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit im Personalmanagement.
Daran knüpfte Generalmajor André Gubernatis, Amtschef im Personalamt der Bundeswehr, an und führte aus, dass die Bundeswehr ihren Auftrag - unabhängig von der konkreten Ausgestaltung der großen Reformvorhaben - nur erfüllen kann, "wenn sich weiterhin qualifizierte, motivierte und leistungsbereite Frauen und Männer bereit finden, in das Dienstverhältnis des Soldaten einzutreten", und zwar in der Mehrzahl für einen begrenzten Zeitraum. In der zweiten Hälfte des Jahrzehntes, belegen Untersuchungen zur Entwicklung der Bevölkerungszahlen, scheiden nicht nur die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Arbeitsleben aus, sondern gleichzeitig brechen die Jahrgangsstärken der Berufseinsteiger weg. Gubernatis unterstrich, dass dem Handwerk und der Wirtschaft die dann benötigten Unternehmensnachfolger, aber auch "Altgesellen" als erfahrene Fachkräfte, nicht mehr zur Verfügung stünden.
Die Entwicklung berühre aber auch die Bundeswehr, die "diese Abbruchkanten im Blick" habe und sich intensiv um junge Menschen bemühe, die mit abgeschlossener Berufsausbildung als Soldaten auf Zeit zunächst den Fachkräftebedarf in den Streitkräften deckten, im nächsten Schritt aber wieder in die Wirtschaft zurückkehrten: Als durch den Bundeswehrdienst menschlich gereifte und hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte. Den selben jungen Leute in verschiedenen Lebensphasen eine Perspektive zu eröffnen sei Grundgedanke im Personalkreislauf Wirtschaft-Bundeswehr-Wirtschaft.
Auf die militärischen Einheiten im Wehrbereich II und ihren Personalbedarf bezogen, erläuterte der Kommandeur des Heerestruppenkommandos, Generalmajor Ulrich Wolf, welche regionalen Anknüpfungspunkte sich zu den jeweiligen Handwerkskammern anböten. Auch er hob hervor, dass die Bundeswehr den Betrieben ihre ausgebildeten Gesellen nicht abwerbe, sondern sie im Gegenteil durch den militärischen Dienst und die darin integrierte zivilberufliche Aus- und Weiterbildung für die in der Wirtschaft benötigten Führungsaufgaben qualifiziere. Aus einer engen und konkurrenzfreien Zusammenarbeit, wie sie im Kooperationsprojekt "Beratungszentrum Bundeswehr-Handwerk bei der Handwerkskammer Koblenz" seit 1999 erfolgreich praktiziert werde, profitierten Bundeswehr und Wirtschaft gleichermaßen mit Blick auf den langfristigen Personalbedarf.
Kooperation zum gegenseitigen Nutzen
Aus Sicht des Beirates für das Beratungszentrum ergänzte dessen Vorsitzender, Oberst i.G. Friedrich Wefelmeier, Idee, Umsetzung und Formen der Kooperation in diesem Projekt. Träger und zugleich Mitglieder im Beirat sind neben der HwK Koblenz das Heerestruppenkommando (Koblenz), die 2. Luftwaffendivision (Birkenfeld), die 7. Panzerdivision (Düsseldorf), das Sanitätskommando II (Diez), das Wehrbereichskommando II (Mainz), das Zentrum für Nachwuchsgewinnung West (Düsseldorf), die Wehrbereichsverwaltung West (Düsseldorf), der Landesverband West des Deutschen Bundeswehrverbandes (Bonn) sowie die HwK Ostwestfalen-Lippe (Bielefeld).
Die Schwerpunkte in der Arbeit des Beratungszentrum Bundeswehr-Handwerk beschrieb dessen Leiter, Oberst d.R. Hans-Joachim Benner. Das Handwerk unterstütze aktiv die Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr, indem es seinen Auszubildenden im Rahmen der überbetrieblichen Lehrgänge in den HwK-Berufsbildungszentren den Kontakt zu den Wehrdienstberatern eröffne. Im Gegenzug werde mit dem Soldat auf Zeit und in Zusammenarbeit mit dem Berufsförderungsdienst der Bundeswehr ein individuell auf die Person abgestellter Plan für die Fachausbildung erstellt, der eine arbeitsmarktgerechte und praxisorientierte Qualifizierung garantiere: "Diese jungen Männer und Frauen stehen unseren Betrieben - durch die Bundeswehr bestens aus- und weitergebildet - heute und morgen wieder zur Verfügung: Als menschlich gereifte und beruflich hoch qualifizierte Fach- und Führungskräfte sind sie auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt und können Karriere machen."
Regionale Umsetzung im Wehrbereich II
Die Arbeitstagung bei der HwK Koblenz hatte sich zum Ziel gesetzt, einen Anstoß zu geben für eine Übertragung der erfolgreichen Zusammenarbeit im Kooperationsprojekt "Beratungszentrum Bundeswehr-Handwerk" auf die Handwerkskammern und militärischen Einheiten im Gebiet des Wehrbereiches II. Die Teilnehmer stimmten darin überein, dass die Zusammenarbeit nur in der unmittelbaren regionalen Kooperation erfolgreich sein könne. Die Kammern werden mit den regionalen Truppenteilen, Berufsförderungsdiensten und Kreiswehrersatzämtern (Wehrdienstberatung) den Schulterschluss suchen. Das für eine solche zivil-militärische Zusammenarbeit verantwortliche Wehrbereichskommando II wird dabei zielgerichtet unterstützen. Dessen Befehlshaber, Generalmajor Millotat, unterstrich seine Bereitschaft, mit den ihm unterstellten Kommandeuren in den Verteidigungsbezirken die Moderatorenrolle in der Zusammenarbeit von Bundeswehr und Wirtschaft zu übernehmen.
Ausgewählte "Verbindungsstellen der Bundeswehr" sollen dem Handwerk als Koordinator für eine enge Ausgestaltung der Kooperation zur Verfügung stehen. Die Handwerksorganisation werde ihre Mitgliedsbetriebe und das Ehrenamt in das Vorhaben einbinden, um ein Netzwerk von Gestaltungsmöglichkeiten in Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort aufzubauen und umzusetzen, fasste Hauptgeschäftsführer Wilbert zusammen. Große Bedeutung maßen die Partner in der Kooperation auch einer gemeinsamen Informations- und Öffentlichkeitsarbeit zu. Dem bestehenden Beirat im Wehrbereich II solle dabei die weitere Projektkoordinierung obliegen.
Informationen unter Tel.: 0261/ 398-126, E-Mail:
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Letzte Aktualisierung / Stand der Information: 8. April 2003
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